sternenkindliebe

Von der Trauer und der Liebe zu (m)einem Sternenkind

Allgemeines zum Thema Tod und Trauer

Viele Menschen beschäftigen sich nur ungern mit dem Tod. Wenn es dann zu einem Todesfall im näheren Umfeld kommt, sind sie überfordert. Was muss ich denn jetzt machen? Was sind die ersten Schritte und was gibt es überhaupt für Bestattungsmöglichkeiten? Und auch im Umgang untereinander. Wie fühlt sich Trauer an? Was hilft dem anderen in seiner Trauer und was verletzt ihn eher? So viele Fragen bei denen es sich lohnt, schon früher darüber nachzudenken.

Hier gehe ich auf diese Themen ein. Wenn du Fragen hast, melde dich gern!

 

BEI EINEM TODESFALL

Veränderung des Körpers nach dem Tod

Die meisten Menschen haben wohl Angst davor, dass sich der Körper zu schnell zu sehr verändert und können sich deshalb nicht vorstellen, die Person noch zuhause zu behalten. Der Körper verändert sich, das ist nicht zu bestreiten. Aber bestimmte Veränderungen sind auch wichtig, um den Tod zu begreifen.

Zunächst schlägt das Herz nicht mehr und der Mensch hört auf zu atmen. Der Brustkorb bewegt sich nicht mehr und auch sonst macht der Mensch nichts mehr. Es liegt so eine Ruhe in der Luft und der Wunsch, dass sich doch gleich nochmal was bewegt. Aber es bleibt still.

Lara´s Körper war auf einmal viel schwerer. Außerdem wurde sie kühler, sodass man das Gefühl hatte, sie friert. Wie das halt bei Babys so ist, wenn sie sich kühl anfassen. Doch bei ihr half da auch keine Kleidung mehr. Ihre kühle Haut machte es begreifbar, dass sie tot ist. Auch wurden gewisse Körperregionen steifer. So konnte man ihre Finger nicht mehr gerade strecken. Allerdings ist diese Totenstarre immer unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei Lara war sie meines Empfindens nach nicht sehr stark. Da hatte ich schlimmere Befürchtungen gehabt. Ich konnte sie ohne Probleme in den Arm nehmen und sie lag in meinem Arm wie jedes andere Baby auch – nur reglos und kalt.

Da das Blut nicht mehr durch den Körper fließt und es nach unten sinkt, kommt es zu sogenannten Totenflecken. Diese sah ich bei Lara nicht. Wir hatten sie allerdings auch nur angezogen bei uns liegen.

Kürzlich erreichte mich folgende Nachricht: „Ich bin ehrlich, ich hätte das zuhause nicht ertragen können, mein Kind da so liegen zu sehen.“  Und die damit verbundene Sorge, dass das doch anfängt zu riechen.

Dazu ein paar Worte. Denn ich denke diese Gedanken haben viele, die keine Berührungspunkte mit einem toten Kind hatten. Es ist immer noch mein Kind, welches da liegt. Es sieht aus, als ob es schläft. Man kann mit dem Kind reden und es anfassen. Man kann es im Arm halten und berühren, um so mit allen Sinnen zu begreifen, dass es wirklich tot ist. Diese Zeit braucht der Verstand, um hinterherzukommen. Wäre sie sofort weg gewesen, hätte mir diese intime Zeit des Abschieds sehr gefehlt.

Sehen – sie bewegt sich nicht mehr.

Hören – sie jammert nicht mehr.

Fühlen – ihre Haut ist kalt und ihr Körper schwer.

Riechen – ja der Geruch verändert sich irgendwann. Und das war dann auch der Zeitpunkt sie abholen zu lassen. Zu sagen, wir hatten dich hier bei uns und wir vermissen dich, aber dein Körper will jetzt gehen. Die Gedanken an dich werden bleiben.

Das sind meine persönlichen Erfahrungen. Wer mehr fachliche Infos über diese körperlichen Veränderungen möchte, kann auf dieser externen Seite weiterlesen: Der Verwesungsprozess im Körper eines Menschen nach dem Tod

 

Trauerkarten

Als unsere Tochter starb, erhielten wir viele Trauerkarten. Immer wieder trudelten nach und nach welche ein. Schon wenn ich den Briefkasten öffnete und ich den weißen Umschlag (meist mit schwarzem Streifen) sah, grummelte es mir im Magen. Über manche war ich dann aber doch sehr positiv überrascht. Sehr persönliche Worte, die von Herzen kamen. Diese Karten las ich mir öfters durch. Sie gaben mir Kraft. Es wurde an uns gedacht. Jemand hat sich Gedanken gemacht, was er uns sagen möchte. Manche haben die Karte selbst gebastelt oder sehr persönliche Geschichten aus ihrem Leben und gute Wünsche für uns formuliert.

 

Warum schreibt man überhaupt eine Trauerkarte?

Eine Karte an die Angehörigen soll zum Ausdruck bringen, dass es einem leidtut, dass dieses Leben schon enden musste. Man möchte den Angehörigen mitteilen, dass man an sie denkt. Dass auch andere traurig über diesen Verlust sind und sie nicht alleine sind. Vielleicht möchte man auch Hilfe anbieten oder Geld für Blumen geben.

So persönlich und individuell wie dieser Mensch war, so sollte auch die Karte sein. Standardformulierungen und Floskeln sind da eher nicht so schön. Wer möchte schon über seinen geliebten Menschen etwas lesen, was noch viele andere Hinterbliebene zu lesen bekommen. Das fühlt sich für die Angehörigen nicht so an, als lag ihnen dieser Mensch am Herzen. Eher so, als wäre der Verstorbene nur einer von vielen.

In manchen Karten stand auch bei uns nur so etwas wie „Herzliches Beileid wünscht…“/ „Aufrichtige Anteilnahme von…“. Mehr nicht. Bei diesen Karten fragte ich mich immer wieder: Was will derjenige mir damit sagen? Auf mich wirkte es so, wie schnell mal eine Karte gekauft und den Namen reingeschrieben, weil man das so macht.

 

Was kann eine Trauerkarte?

Eine gut geschriebene Trauerkarte spendet Trost. Von anderen zu lesen, was sie mit diesem Menschen verbindet. Zu wissen, andere Menschen sind genauso traurig über diesen Verlust. Andere denken auch an meinen geliebten Menschen. Ich bin mit meinem Schmerz nicht allein. Ich glaube, es gibt viele Trauernde, die sich über eine persönlich formulierte Karte sehr freuen und die ihnen Kraft in der schweren Zeit geben kann. Aber ich glaube auch, es gibt viele Menschen, die sich damit schwer tun, eine Trauerkarte zu schreiben. Die gar nicht wissen, was sie schreiben sollen. Denen die Worte fehlen. Die dieser Verlust berührt, die es aber nicht ausdrücken können. Deshalb möchte ich hier darauf eingehen, wie eine gute Karte aussehen könnte.

 

Was schreibt man in die Karte?

Ich persönlich beginne gern mit „Mein herzliches Beileid zu eurem (schweren) Verlust“ als Einleitung. Man könnte diese Floskel aber sogar weglassen und direkt schreiben, dass es einem sehr leidtut. Abstand nehmen würde ich von Sätzen wie „Fassungslos haben wir erfahren…“ oder „Geschockt haben wir gehört…“. Diese Sätze wirken übertrieben und aufgesetzt, aber nicht ehrlich. Wenn man den Verstorbenen kannte, kann man dann gut über die Beziehung zu ihm schreiben. Wie man ihn erlebt hat (hilfsbereit, freundlich, voller Energie,..) oder was man für gemeinsame Erinnerungen an ihn hat.  Gern auch über lustige/fröhliche Ereignisse. Damit verletzt man den Trauernden nicht. Im Gegenteil, er kann von Erlebnissen mit dem Verstorbenen lesen und so erfahren, was andere mit ihm verbinden. Das schafft Verbundenheit und Erinnerungen. Wenn man ihn nicht kannte, aber vielleicht ähnliches erlebt hat, kann man auch davon schreiben. Natürlich nicht so ausführlich. Denn es geht in dieser Karte nicht um den Verfasser der Karte. Aber so etwas wie: „Ich kannte … nicht. Aber ich kann mich noch gut an diesen Schmerz erinnern, als mein Vater letztes Jahr starb.“  Das verbindet als Trauernde. Am Schluss kann man noch liebe Wünsche formulieren. „Wir wünschen euch viel Kraft in dieser schweren Zeit.“ /„Haltet und stützt euch gegenseitig.“ Oder einfach mit einem „Wir denken an euch!“ beenden.

 Und wenn man gar nicht so richtig weiß, was man schreiben könnte, reicht auch manchmal einfach: „Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Aber es tut mir so unendlich leid, dass …. nicht länger bei euch bleiben durfte. Viel Kraft in dieser schweren Zeit!“ Es ist immer schön, wenn der Verstorbene namentlich benannt wird. Das macht die Karte zu etwas ganz persönlichem für diese Familie. Möglich ist z.B. auch: „Es tut uns leid, dass … euch schon verlassen musste.“/ „Wir hätten euch mehr Zeit mit … gewünscht.“ / „Wir werden … nie vergessen.“

 

Karte bei Kindern

Da es hier auf diesem Blog um Trauer bei Kindsverlust geht, möchte ich auf Trauerkarten bei Kindern noch einmal explizit eingehen. Schon die Optik der Karte kann eine ganz andere sein, als bei einem älteren Menschen. Eine bunte Karte kommt da besser an.  Mit Schmetterlingen, Vögeln oder Regenbögen. Auch selbst gestaltete Karten sind da gut möglich.

Doch was schreibt man hinein? Bei Kindern kann man oftmals nicht von gemeinsamen Erlebnissen berichten. Vor allem nicht, wenn sie schon während oder kurz nach der Schwangerschaft starben. Das Leben sollte gerade beginnen und schon musste es wieder enden. Das passt nicht in unser Bild. Oftmals sind Außenstehende damit so überfordert, dass sie noch weniger wissen, was sie schreiben sollen. Und doch ist es gerade da für die Eltern so schön ein paar persönliche Worte zu bekommen. Auch hier finde ich es besonders schön, wenn man das verstorbene Kind namentlich benennt. Denn es ist und bleibt das Kind der Eltern. Doch es ist nicht mehr sichtbar und die Eltern werden den Namen dieses Kindes in Zukunft nur noch selten irgendwo lesen. Da tut es gut, eine Karte in die Hand nehmen zu können, wo der Name sichtbar steht. Falls es gemeinsame Momente gab, gern auch davon erzählen. Es ist schön, auch für später, Geschichten über das Kind zu lesen und sich so an ihr Wesen zu erinnern. Und wenn nicht, dann ganz ehrlich schreiben, was man fühlt. Und wenn einem die Worte fehlen, schreibt man das auch so. „Mir fehlen die Worte…“, „Es tut uns so leid…“, „Wir können nicht nachempfinden wie ihr euch fühlt, aber wir denken an euch.“ Gerade da, einfach ehrlich sein. Schreiben, was man fühlt. Ohne irgendwelche Formulierungen, die man halt bei Trauerkarten schreibt. Mich persönlich hat es sehr gefreut, wenn jemand von ihrem Lächeln schrieb. Die Erinnerung daran, wie sie immer gestrahlt hat oder dass sie ihr Lächeln nicht vergessen werden. Das sind Glücksmomente, wo man schon beim Lesen lächeln muss. Vielleicht unter Tränen, aber man freut sich darüber. Denn das sind schöne Erinnerungen, die bleiben. Über eine Eigenschaft zu lesen, die das Kind besonders gemacht hat. Denn dann merken Eltern: Mein Kind war wichtig. Mein Kind wurde gesehen. Die Menschen wissen, trotz des kurzen Lebens, wie er/ sie war.

 

Und nach der Karte?

Karte geschrieben. Aufgabe erledigt. Vielleicht für den Außenstehenden. Aber für die Trauernden beginnt jetzt erst der Trauerweg. Und es ist schön, wenn man als Trauernder auch weiterhin Interesse spürt. Was sich Trauernde da wünschen, darauf gehe ich an anderer Stelle mehr ein. Aber eins möchte ich hier noch hinzufügen, weil es gut zu den Trauerkarten passt. Was besonders schön, aber auch besonders selten ist. Man kann auch später nochmal eine Karte schreiben. Zu einem besonderen Tag – z.B. Geburtstag oder Todestag.( „Heute ist bestimmt ein ganz schwerer Tag für euch. Auch wir denken an …. Er ist nicht vergessen.“ ) –  Für Angehörige sind solche Karten etwas ganz Besonderes. Das wühlt keine Wunden auf. Denn man denkt an diesem Tag sowieso daran. Aber es schafft Verbundenheit. Es zeigt, auch andere denken noch an diesen Menschen. Er ist nicht vergessen. Gerade bei Sternenkindern ist das eine wirklich schöne Geste, die die Eltern sehr zu schätzen wissen.

IN DER TRAUERZEIT

 Triggerpunkte

Bei der Trauer gibt es gute und schlechte Tage. Oder man könnte auch sagen, es gibt anstrengende und weniger anstrengende Tage. Zeitweise ist es dann sogar mal so gut, dass man sich wieder als Mensch fühlt. Man wieder etwas Leben in sich spürt. Man denkt, nun habe ich es geschafft! Nun komme ich mit allem klar und kann wieder nach vorn schauen. Doch dann kommt der Schlag!

Eine Situation, ein Lied, eine Stimme – ein Schlag wie ins Gesicht. Keiner gibt eine Vorwarnung. Einfach von 0 auf 100 wird man davon überrascht. Und plötzlich ist alles wie damals. Man spürt es im Körper – angespannt, unter Strom, vielleicht zittert man auch. Oder es kommen plötzlich Tränen, obwohl einen Augenblick vorher alles soweit gut war. Die Gedanken werfen einen zurück. Plötzlich fühlt man sich um Monate oder sogar Jahre zurückversetzt. Man sieht sich in einer bestimmten Situation, kann etwas von damals riechen, fühlt die damalige Stimmung, denkt an den Verstorbenen und andere Personen, die dabei waren. Manchmal fallen einem plötzlich Worte wieder ein, die gesagt wurden. Es wirft einen komplett zurück und man erlebt es, auf eine gewisse Art und Weise, noch einmal. 

Doch all das sieht und weiß ein Außenstehender nicht. Es sei denn, er interessiert sich dafür. Ein Außenstehender sieht nur den traurigen Blick, die Tränen, die Kraftlosigkeit. Und sagt dann so etwas wie: „Bist du immer noch so traurig? Es ist doch schon so lange her!“ oder: „Er/Sie ist schon so lange nicht mehr da. Du musst nach vorne schauen.“ Ich weiß, dass manche solche Sätze hören und ertragen müssen. Dabei hat derjenige doch nach vorn geschaut. Hat vielleicht sogar mal an was schönes gedacht oder gelacht. Nur hat ihn die Erinnerung eingeholt und damit auch die Trauer. Also wenn ihr jemandem in seiner akuten und sehr präsenten Trauer begegnet, hackt nicht mit solchen Sätzen noch auf ihm herum. Nehmt ihn ernst und vielleicht auch einfach mal in den Arm!

Gedanken zur Weihnachtszeit

In diesen Tagen zieht es viele zu Weihnachtsmärkten. Glühwein, Geselligkeit und Weihnachtslieder gehören für viele im Advent dazu. Auch Plätzchen und Lichterketten dürfen zuhause nicht fehlen. Wenn dann noch Krippenfiguren und Weihnachtsbaum einen Platz bekommen, ist die Stimmung perfekt. Auch ich gehörte einmal zu den Menschen, die das ganze Jahr dieser Zeit entgegen fieberten und dekomäßig dezent eskalierten. Doch das war einmal. In einem anderen Leben. Die meisten Dinge blieben dieses Jahr gleich im Keller. Eine Lichterkette und ein paar kleine Dekoelemente mussten reichen. Doch an jedem Abend beim Ausschalten der Lichterkette erinnert mich das Glimmen der Lämpchen an letztes Jahr. Als ich bei diesem Glimmerlicht meine Tochter ins Bett trug. Meine Tochter, die nun nicht mehr da ist. Auch Plätzchen backen, Lieder singen und Türchen öffnen müssen wir ohne sie. Selbst der Großen fällt auf, dass ihre Schwester letztes Jahr auch hier war. Für Sterneneltern ist diese Zeit alles andere als gemütlich und entspannt. Es ist anstrengend und kräftezehrend. Man fühlt sich kraftlos und trotzdem angespannt – wie unter Strom. Jeder Tag, der vergeht, wird schlimmer. Man möchte das Weihnachtsfest überspringen und doch kann man ihm nicht ausweichen. Es kommt wie eine Wand auf einen zu und plötzlich sind da wieder Fragen wie „Warum?“ und „Was wäre wenn?“. Doch es ist nicht nur das Aushalten dieser Lage. Nein, dazu kommt das Ignorieren der Umgebung. Viele sprechen einen nicht an. Viele wollen nicht wissen, wie sich das anfühlt. Denn der Tod und die Trauer passen nicht in das schöne und friedliche Familienfest. Und doch sitzen viele dieses Jahr das erste Mal ohne Kind, ohne Schwester/Bruder, ohne Partner oder ohne Elternteil am Weihnachtsbaum. Die meisten davon wünschen sich wohl keine Geschenke. Denn kein Geschenk bringt einem den geliebten Menschen wieder. Umso mehr freut man sich über Gesten der Verbundenheit. Eine Nachricht mit ein paar lieben Worten, ein Bild von einer Kerze für den Verstorbenen oder irgendein anderes Zeichen dafür, dass derjenige auch an Weihnachten nicht vergessen wird.

(Keine) frohe Weihnacht!

Mit was verbinden wir Weihnachten? Mit Freude, Harmonie, Liebe, Frieden, Familienzeit, Sorglosigkeit – also mit lauter positiven Gefühlen. Und genau so verhält sich auch das Umfeld von Trauernden. An jeder Ecke ruft es einem „Frohe Weihnachten!“ zu. Von Familien und Freunden. Persönlich oder über eine Nachricht. Und ich frage mich: „Merkt ihr es noch? Nur, weil Weihnachten ist, ist da nicht plötzlich alles schön und gut. Ihr könnt es vielleicht ausblenden, dass unser Kind gestorben ist. Wir nicht!“ Die Trauer ist auch an Weihnachten da – gerade da ist sie präsent. Für andere ist es vielleicht ein „frohes“ Fest. Für Sterneneltern ist es ein Fest begleitet von vielen Trauerwellen. Vieles ist zu laut, zu voll, zu viel von allem. Manchmal auch zu froh. Wir weinen nicht unbedingt und sind trotzdem traurig. Wir lachen mit und finden es aber vielleicht gar nicht lustig. Man lacht einfach mit, damit man zu der Runde dazu passt. Denn in Wirklichkeit fühlt man die Trauer so intensiv und gleichzeitig ist man so emotionslos. Es gibt Tage, da freut man sich über ein weihnachtliches Zimmer. Findet Lichterketten und Weihnachtsbaum so schön und gemütlich. Und dann gibt es Tage, da lässt man die Lichterkette aus, weil man es nicht erträgt. Oder man hört einen Rocksender im Radio, um kein Weihnachtslied ertragen zu müssen. Manchmal sieht man dann den Baum an und fühlt…. nix! Schöner Baum, ja. Mit Kugeln, Sternen, Lichtern und Lametta. Aber da ist dieselbe Leere, wie das ganze Jahr über. Daran ändert auch Weihnachten nix. Manchmal fühlt man so viel auf einmal, dass man wann anders gar nichts mehr fühlt. Es ist okay. Ich nehme es so hin. Ich habe es akzeptiert. Denn es bleibt mir nichts anderes übrig. Es ist ein Teil von mir.

Doch das Umfeld kann damit nicht umgehen. Es ist ja schließlich Weihnachten. Da gehören Weihnachtsessen, Besuch bei der Familie und Geschenke einfach dazu. Und wo wir gerade bei Geschenken sind. Wer sagt eigentlich, dass man einem toten Kind nichts schenken kann? Auch Sterneneltern sind Eltern! Geld/Gutschein für Blumen oder eine schöne Kerze gehen denke ich immer. Und wenn man sich unsicher ist, kann man auch einfach nachfragen, was den Sterneneltern gefällt. Einfach ein kleines Zeichen dafür, dass dieses Kind nicht vergessen ist. Denn wenn es Geschenke gibt und das lebende Kind bekommt ein Päckchen überreicht und über das andere Kind wird geschwiegen, als hätte es nie existiert, das tut weh! Das Sternenkind zählt genauso. Es gehört auch zur Familie dazu.

Wir lieben beide Kinder. Umso schöner ist es, wenn dann doch mal jemand an beide Kinder denkt. Und wenn es nur in einer Nachricht ist wie: „Es ist dieses Jahr bestimmt ein schwieriges Weihnachten. Wir wünschen euch trotzdem eine schöne Zeit und denken an Lara.“

Dann ist es auch für Sterneneltern mal ganz kurz eine „Frohe Weihnacht“!

Erinnerungen, die bleiben?!

Das 1. Trauerjahr ist rum – und nun? Bei manchen betroffenen Sterneneltern habe ich gelesen, dass sie das 2. Jahr schlimmer empfunden haben, als das 1. Jahr. Im ersten Trauerjahr wäre man noch wie in Watte eingepackt oder unter einer Schutzglocke gewesen. Ich hatte die Hoffnung, nach einem Jahr wird es vielleicht besser. Wenn alle (Feier)tage neue Erlebnisse dazu bekommen haben, werden diese Tage erträglicher. Vielleicht ist das auch so. Bisher war noch kein Feiertag. Ich kann es noch nicht beurteilen.

Was ich aber merke, ist, dass es sich tatsächlich so anfühlt, als würde man es noch einmal bewusster erleben. Man fühlt sich nun klarer im Kopf. Da ist nicht dieser Nebel, der alles verschleiert oder dämpft. Doch man spürt die Trauer weniger auf der Gefühlsebene. Man fühlt nur wenig und denkt auch kaum an die Erlebnisse. Aber der Körper zeigt einem die Trauer. Körperliche Symptome wie am Anfang. Da ist plötzlich wieder diese Appetitlosigkeit. Man ist ausgelaugt und will seine Ruhe. Am liebsten keinem begegnen. Denn alles kostet so unglaublich viel Kraft. Selbst ein freundliches „Guten Morgen“ kostet Überwindung.

Doch trotz dieser Ungedämpftheit empfindet man alles mit einem gewissen Abstand. Wie ein Außenstehender. Als ob man es nicht selbst erlebt hat. Wie eine Geschichte, die man liest. Es ist so unreal, dass einem selbst das passiert sein soll. Dass ICH dieser Mensch in der Geschichte war.

Und so komme ich ins Grübeln. Ja, wie war ich denn damals so? Wie habe ich mich verhalten? Ich versuche mich als Außenstehender zu betrachten. Und mit Entsetzen stelle ich fest, dass da eine große Leere ist. Eine Lücke im Gedächtnis. Ich weiß es schlichtweg nicht mehr. Ein paar Dinge sind hängen geblieben, ja. Aber so insgesamt. Was haben wir den ganzen Tag gemacht? Wie haben wir diese Tage verbracht? Wie habe ich mich gefühlt? Es fühlt sich an, als hätte ich Sommerschlaf gehalten. Da sind kaum Erinnerungen an den Sommer. Als ich wieder „aufwachte“, war Herbst. Ich erinnere mich daran, dass ich das Grab neu gestaltete. Ich nahm ein paar Pflanzen vom Grab mit, um diese Zuhause einzupflanzen. Ich war richtig im Gärtnermodus. Es war ein warmer Tag, die Sonne schien. Ich fühlte mich nach Frühling. Ich fühlte mich nach Blumen, nach beginnendem Leben. Doch es war Anfang Herbst.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich manches aufgeschrieben habe. Denn sonst hätte ich noch mehr vergessen. Wenn du also gerade am Anfang deiner Trauerzeit bist, schreib dir vieles auf. So erkennst du, wie deine Trauer sich verändert und du hast eine Erinnerung an diese Zeit, falls du es auch mal vergessen solltest.

Aushalten können!

Mit dem Thema Tod sind viele überfordert. Es hat keinen Platz in unserem Leben. Man klammert es gerne aus, denkt nicht darüber nach. Doch Fakt ist, dieses Thema betrifft uns alle. Früher oder später. Jeder muss sich in seinem Leben irgendwann von geliebten Menschen verabschieden. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn man etwas darauf vorbereitet ist? Und wenn man Menschen im Umfeld hat, die das mit tragen können? Die meisten sind, besonders wenn ein junger Mensch stirbt, ziemlich sprachlos. Und überfordert. Deshalb wird oft nur eine Karte geschrieben und wenig mit den Angehörigen gesprochen. Was soll man denn auch am besten sagen? Da kann doch eh nichts trösten. Also wird geschwiegen. Oder mit Floskeln versucht zu trösten…

Wir haben im Laufe des Lebens gelernt, für jedes Problem gibt es eine Lösung. Wenn ich schlechte Noten bekomme, muss ich eben besser lernen. Habe ich keine Arbeit, muss ich mich bewerben. Fühle ich mich ungerecht behandelt, muss ich das in einem Gespräch klären. Und wenn jemand stirbt? Muss ich nur lange genug weinen? Ist das die Lösung für das Problem?

Bei einem Verlust gibt es keine Lösung bzw. die Lösung ist die Trauer. Sie hilft uns das durchzustehen. Aber es gibt keinen Lösungsvorschlag und keinen  Rat, den man als Außenstehender geben kann, wie in den anderen Situationen. Aber genau das versuchen Außenstehende oft. Und dann sind sie schnell bei den Floskeln angekommen. Doch die helfen meist überhaupt nicht. Das heißt aber nicht, dass man nichts tun kann. Anstatt zu versuchen gleich einen Ratschlag zu geben, kann man versuchen, die Situation mit auszuhalten. Dazu muss man sich aber auf ein offenes Gespräch mit dem Trauernden einlassen können. Und das ist viel schwieriger als gute Ratschläge zu geben. Empathie ist das Stichwort. Zuhören. Sich interessieren. Einfühlen in das Erzählte. Nachfragen. Offen sein für ein Gespräch. Alles mit aushalten können.

Und wenn das die Gesellschaft lernen würde und Tod/ Trauer ein normales Thema wäre, würden sich Betroffene auch nicht mehr so alleine fühlen. Ein Kind zu verlieren stellt noch einmal besondere Herausforderungen dar. Aber wäre der allgemeine Umgang mit Trauer (z.B. bei älteren Verstorbenen) ein offener Umgang, dann wäre auch der Schritt zu einem offenen Gespräch mit verwaisten Eltern nicht mehr so weit.

Freude bei Sterneneltern

Trauernde Eltern kommen meistens irgendwann an den Punkt, an dem sie sich fragen: „Darf ich überhaupt glücklich sein?“ –  Das eigene Kind ist gestorben. Da muss man doch traurig sein. Darf ich da überhaupt lachen und fröhlich sein? Und oft haben diese Eltern dann ein schlechtes Gewissen, wenn sie es tun. Auch ich hatte diese Gedanken kurz nach dem Tod von Lara. So schrieb ich damals diese Zeilen: „In meinem Herzen hatte sie und all die Gedanken an sie einen so guten Platz mit positiven Gefühlen und Erinnerungen, dass ich dabei gar nicht so traurig war. Ich fühlte mich wie ein Stein, irgendwie emotionslos, weil alle anderen immer traurig waren und um sie geweint haben. Allen schien es näher zu gehen als mir – der Mama. Das fühlte sich irgendwie falsch an. Mein Kopf dachte vielleicht, ich muss auch traurig sein, weil es ja mein Kind ist. Aber das ist Quatsch! Lara bleibt unser Kind. Und sie findet es bestimmt schöner eine glückliche Mama mit positiven Gefühlen zu sehen, als eine die nur traurig ist. Vielleicht sollte ich versuchen ihr wieder positiver zu begegnen. Sollen andere denken, was sie wollen…“

Mit etwas Abstand betrachtet, erkannte ich, dass mein Abschied von Lara schon eher begann. Für Außenstehende war sie gerade gestorben und sie waren geschockt darüber – verständlicherweise. Doch ich wusste bereits ein paar Tage vorher, dass es passieren würde. Ich hatte miterlebt, wie sie abgebaut hatte. So hatte ich mich schon Stück für Stück von ihr verabschiedet. Ich war einfach schon ein bisschen weiter wie sie. In diesen Tagen überwiegte einfach der Gedanke, dass sie nun nicht mehr leiden musste. Und das machte mich „glücklich“.

Ich lernte damit umzugehen. Sich zu freuen über die vergangenen schönen Momente, wenn einem danach war. Dankbar und glücklich für unsere Zeit zu sein. Wenn ich mich in Freude mit ihr verbunden fühlte, war das genauso gut, als wenn ich um sie weinte. Zuzulassen, wie man sich gerade fühlt. Auch ohne schlechtes Gewissen. Das ist ein Prozess und gelingt nicht von heute auf morgen. Aber man kann daran arbeiten. Ich bemerkte auch noch etwas anderes. In besonders traurigen Momenten fühlte ich mich ihr weniger nahe, als wenn ich bessere Tage hatte. Das zeigte mir, dass ich mich ruhig gut fühlen darf. Dass verwaiste Eltern nicht automatisch immer traurig sein müssen.

Anfangs waren es einfach nur schönere Momente, zwischen der Sehnsucht und dem Traurig sein. Bis zum richtigen Glück und zur puren Lebensfreude dauerte es noch lange. Noch heute sind diese Momente eher die Seltenheit, aber kürzlich gab es sie dann wieder mal:

Ich habe gut geschlafen. Fühle mich irgendwie nicht so erdrückt. Habe mehr Kraft. Wir spielen gemeinsam mit der Großen. Lachen zusammen, freuen uns lautstark. Ohne dabei an Lara zu denken. Ohne, dass ich mir Mühe geben muss, für die Große fröhlich zu sein. Ich muss mich nicht anstrengen. Denn ich bin es. Das alte Brautkleid anziehen, Tanzen, an alte Zeiten denken, glücklich sein. Und auch als ich am nächsten Tag nach langer Zeit mal wieder mit dem Fahrrad fahre, spüre ich diese Freude. Auspowern, Zeit für mich alleine, erinnern an schöne Fahrradrunden früher. Und da sind keine Sorgen. Das ist das pure Lebensgefühl! Das richtige Leben und nicht nur Überleben. Ja, ich konnte es spüren. Hin und wieder habe ich diese Momente. Es ist noch nicht oft, aber sie sind da. Und ich freue mich darüber, dass es sie gibt. Auch wenn sie noch so kurz sein mögen. Sie zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Folgeverluste

Bei dem Wort Trauer denken die meisten zuerst an den Tod eines Menschen und das anschließende Gefühl bei den Angehörigen. Doch Trauer ist so viel mehr. Es geht dabei nicht immer um den Tod eines nahe stehenden Familienmitglieds.

In erster Linie bedeutet Trauer Verlust. Und einen Verlust kann man auf unterschiedliche Weise erleben. Jobverlust, Verlust der eigenen Gesundheit, Verlust des geliebten Haustieres, bei Trennung/ Scheidung der Eltern. All das kann genauso zu Trauersymptomen führen. Mitunter folgen nach dem Verlust eines geliebten Menschen diese anderen Verluste. Deshalb spricht man auch von Folgeverlusten.

Die meisten Menschen sehen nur den Tod von Person X. Und das Verhalten der Trauernden wird mit diesem Verlust begründet. Sie trauern um diese Person. Oft geschieht im Hintergrund aber viel mehr, als man sieht. Diese Folgeverluste belasten zusätzlich und verstärken oft die Trauer. So kann man vielleicht inzwischen damit umgehen, dass dieses Familienmitglied nun verstorben ist. Unser Sternenkind wird vermisst, ja. Täglich denken wir an sie und vermissen sie. Aber manchmal schmerzt es mehr, manchmal weniger. Wir können auch schon in Dankbarkeit zurück denken. Wir haben gelernt, sie in unser neues Leben zu integrieren. Wir haben gelernt mit dieser Trauer um unser Kind umzugehen. Es zu akzeptieren und auszuhalten. Doch andere Verluste belasten uns vielleicht noch stärker. Verluste, die Außenstehende nicht wahrnehmen, wenn sie sich nicht wirklich dafür interessieren.

 

Verlust einer gemeinsamen Zukunft

Die Trauer um das eigene Kind hat noch einmal andere Dimensionen, als der Verlust von Oma, Opa, Eltern, usw. Wenn das eigene Kind stirbt, sterben Zukunftspläne. Man hatte eine Vorstellung davon, wie das weitere Leben aussieht. Doch dann verliert man diese Zukunft. Man kann es sich in Gedanken vorstellen, wie es wäre. Aber es wird nie eintreten. Der ganze Lebensplan wackelt. Man kann sich die Familie auch als Mobile vorstellen. Jeder hat seine Position, damit das Mobile im Gleichgewicht hängt. Schneidet man nun eine Person weg, hängt es schief. Die übrig gebliebenen Personen müssen sich nun neu sortieren, um das Mobile wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das braucht Zeit.  Das ist Trauer. Sich von dem alten Leben verabschieden und ein neues/anderes Leben in anderer Konstellation zuzulassen.

 

Verlust von Gesundheit

Auch wenn man gesundheitliche Probleme bekommt, löst das Trauer aus. Oft geschieht so etwas nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Aber auch ohne diesen Zusammenhang, löst das Trauer aus. Man trauert um Dinge, die man nicht mehr kann. Nach einem Unfall z.B., wenn man Dinge neu erlernen muss. Man ist traurig, weil bestimmte Bewegungen nicht mehr gehen. Und man ist wütend. Auch bei schlimmen Erkrankungen gibt es das Verleugnen/ Nicht-wahr-haben-wollen, genau wie beim Verlust eines Menschen.

Mit einem Kindsverlust verliert man oft auch gleichzeitig seine Unbeschwertheit. Gerade bei Verlusten in der Schwangerschaft sind da plötzlich Ängste, dass wieder etwas passiert. Man hat nicht mehr die unbeschwerte Einstellung zu einer Schwangerschaft. Das Erlebnis hat einen geprägt. Und auch wenn man das Kind später verliert. Man sieht nichts mehr als selbstverständlich an. Das ist auf der einen Seite sehr schön, weil man dankbarer ist. Aber es macht es auch schwierig. Da sind mehr Gedanken und Ängste, die einen begleiten. Diese Leichtigkeit und Freude, die viele Schwangere oder Mütter erleben, sind weg.

 

Jobverlust

Des Weiteren kommt es zu Trauer bei einem Jobverlust. Oftmals auch als direkte Folge nach dem Tod eines nahestehenden Menschen. Man fühlt sich traurig, weil man die Anforderungen nicht mehr erfüllen kann. Und das obwohl einem der Job doch Spaß gemacht hat. Man ist wütend, weil man doch gern wieder eine Perspektive hätte. Hinzu kommen dabei die Existenzängste. Wenn man nicht arbeitet, hat man kein Einkommen mehr. Wovon soll man dann leben?

 

Verlust der Partnerschaft

Gerade nach dem Verlust des eigenen Kindes besteht auch immer das Risiko vom Verlust der Partnerschaft. Jeder trauert anders. In dieser Extremsituation kann es passieren, dass man den anderen nicht mehr versteht. Man hinterfragt, wie der Partner trauert. Oder jeder ist so mit der eigenen Trauer beschäftigt, dass man den Partner nicht mehr wahrnimmt. Kommt es zur Trennung (egal ob mit oder ohne Kindsverlust vorher) löst das Trauer aus. Wut auf einen selbst oder den Partner, weil sich nicht genug Mühe gegeben wurde. Traurigkeit, weil es doch auch so schöne Zeiten gab. Ängste, wie man die Familie nun alleine ernähren soll.

Auch für Kinder ist es eine ganz schwierige Situation, wenn sich die Eltern trennen und auch das führt zu Trauer. Auch sie werden traurig oder wütend. Bekommen Angst, dass der andere Elternteil auch noch weggeht. Manchmal zeigen sie es nicht so offensichtlich. Man sollte es aber immer im  Hinterkopf haben und sie gut im Blick behalten.

 

Freundschaften fallen weg

Auch Freundschaften können nach einem Trauerfall zerbrechen. Nicht selten hört man von verwaisten Eltern, dass sich gute Freunde entfernt haben. Dass da kein Verständnis mehr für die Trauer ist. Etwas erwartet wird, was man nicht erfüllen kann. Oft fehlt das Verständnis, dass man sich kaum meldet oder man Verabredungen kurzfristig absagt. Dies ist von der trauernden Person überhaupt nicht böse gemeint, aber gerade verwaiste Eltern lernen auf ihre Bedürfnisse zu achten. Und wenn sie bestimmte Dinge gerade nicht können, dann ist das so. Leider hält nicht jede Freundschaft diese Trauer aus. Wenn diese Menschen, von denen man sich Rückhalt und Verständnis erhoffte, auch noch wegfallen, ist das doppelt schwer. Ein erneuter Verlust nach dem Verlust. Und auch dies löst Trauer aus. Mit all den Trauersymptomen wie Wut, Traurigkeit oder Einsamkeit.

 

Trauer ist sehr vielfältig. Trauer ist nicht nur nach dem Tod eines geliebten Menschen. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen.

 

Gedenktag für Sternenkinder

Am 15.Oktober ist der Gedenktag der Sternenkinder. Jedes Jahr stellen betroffene Eltern um 19Uhr eine Kerze ins Fenster und lassen sie dort für eine Stunde brennen. Damit dieses Licht einmal um die Welt geht. Auch Großeltern, Verwandte und Freunde können da mitmachen. Als Erinnerung an das Sternenkind. Wenn sie dann den betroffenen Eltern noch ein Bild davon schicken, wird die Freude sicher groß sein. Dann ist da eine Verbindung. Das Wissen, dass das eigene Sternenkind nicht vergessen ist. Dass dessen Existenz nicht ignoriert wird. Dass man sich traut den Namen auszusprechen/ aufzuschreiben. Denn die meisten tun dies nicht.

Die Scheu ist groß, Sterneneltern anzusprechen. Sowohl an diesem Tag, als auch an jedem anderen Tag. Umso wichtiger, dass Sterneneltern laut werden. Dass wir über unsere Kinder sprechen. Sie waren unsere Kinder. Sie sind unsere Kinder. Sie gehören zu uns dazu. Denn nur wenn darüber gesprochen wird, fühlen wir uns nicht mehr so alleine damit. Im direkten Umfeld betrifft es kaum jemanden. Kaum einer versteht so richtig, wie es einem geht. Und es will auch kaum einer verstehen. Da ist es umso schöner, dass es die sozialen Medien gibt. Wo man auf einfache Weise andere Betroffene finden kann. Und weil es einfach schön ist, wenn an das eigene Kind gedacht wird, habe ich eine Aktion gestartet. Ich wollte die Sternenkinder, wie schon im letzten Jahr, sichtbar machen. So sollte jedes Kind einen Stern und ein Teelicht bekommen. Die Resonanz war erstaunlich! 88 Eltern meldeten sich, weil ihr Kind auch dabei sein sollte. Und so schneidete und beschriftete ich für jedes Kind einen Stern. Außerdem sollten alle Namen auf einem größeren Stern stehen. So waren alle Sternenkinder beisammen und doch leuchtete jedes für sich.

 

Es entstand ein wundervolles Lichtermeer, welches unser Zimmer erleuchtete. Es war hell und warm. Doch das war es nur, weil all diese Kinder nicht mehr leben durften. Das berührte mich sehr. So viele Kinder. Sie könnten mehrere Schulklassen füllen, würden sie noch leben.

 

So viele, die dabei waren. Aber längst nicht alle. Deswegen leuchtete in der Mitte auch noch eine Kerze für alle anderen Sternenkinder dieser Welt.

Nicht nur ich dachte mit meiner Aktion an viele andere Sternenkinder. Viele Sternenmamas posteten Kerzen und Lichter in Erinnerung an ihr eigenes und an andere Kinder. Der Zusammenhalt und die Verbindung untereinander sind etwas Besonderes. Ich bin sehr dankbar für die Verbundenheit und den Austausch mit anderen Sternenmamas. Diese vielen Lichter hatten etwas Magisches. Das Licht all der Sternenkinder wird noch ein paar Tage in mir weiter wirken.

 

 

Ein Stern strahlt hoch am Himmelszelt,
leuchtet bis runter auf die Erdenwelt.
War einmal ein Kind so klein,
doch durfte nicht mehr bei uns sein.
Verließ diese Welt schon in Mamas Bauch,
oder kurz danach, das gibt es leider auch.
Ein jedes Licht leuchtet heute für so ein Kind.
Es zeigt, wie viele es sind.
Jedes strahlt für sich und doch ist keines allein.
So sollte es auch bei uns auf Erden sein.
Wir sind miteinander verbunden und werden gemeinsam laut,
weil sich das sonst keiner traut.
Unsere Kinder haben gelebt, sie waren existent.
Sie sind es wert, dass man an sie denkt.
Unsere Sternenkinder strahlen in einem Lichtermeer,
und wir vermissen sie, besonders heute, sehr.

 

Grenzen setzen

Immer wieder stelle ich fest, dass Außenstehende meinen, es sei alles wieder gut. Sie weint nicht (mehr) – habe ich allerdings von Anfang an nur selten in der Öffentlichkeit – also ist es überwunden. Der Tod verarbeitet. Die Trauer überstanden. Doch Trauer bedeutet nicht nur weinen! Das ist aber immer noch nicht in den Köpfen angekommen.

In den allerwenigsten Situationen breche ich in Tränen aus und wenn dann eher zuhause. Was aber regelmäßig vorkommt, sind Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und körperliches Erschöpftsein. Und ja, das ist Trauer! Sich körperlich total erledigt fühlen und nicht zu wissen, woher man noch die Kraft nehmen soll. Schon kleine Dinge strengen an. Telefonate werden zur Herausforderung. Viele Leute und Lautstärke sowieso. Wenn andere so richtig aufblühen, weil sie viele Leute treffen und eine schöne Zeit haben, ziehe ich mich zurück. Weil ich diese Geräuschkulisse nicht ertrage. Weil ich vermutlich laut schreien würde, wenn ich mich dem noch länger aussetzen würde.

Es ist so wichtig in der Trauer seine eigenen Grenzen zu kennen. Erkennen und sich für sie einsetzen. Mein Körper zeigt mir sehr genau, wenn der Seele etwas zu viel wird. Ich habe gelernt darauf zu achten. Denn sonst werde ich richtig krank. Und das möchte ich vermeiden. Ich erkenne diese Grenzen. Andere Betroffene kennen dieses Phänomen auch. Doch wenn man anderen Menschen davon erzählt, erntet man komische Blicke und Unverständnis. Es wird erwartet, dass man jetzt wieder klar kommt. Dass man funktioniert und so belastbar ist wie früher. Es ist wieder besser geworden. Das merke ich deutlich. Ich kann gewisse Situationen wieder aushalten und auch eine gewisse Menge an Informationen aufnehmen und verarbeiten. Ich kann mehrere Dinge am Tag erledigen, von denen früher nur eine Sache drin gewesen wäre. Doch das heißt nicht, dass das immer so ist. Dass man wieder ganz normal arbeiten kann. Manches kann man nicht mehr. Manches möchte man auch nicht mehr. Die Prioritäten werden neu gesetzt. Zu einem erfüllten Leben gehört für mich ein schönes Familienleben. Zeit und Energie dafür zu haben. Dankbar für die wichtigen Dinge zu sein und sich an schönen Momenten zu erfreuen. Auf das große Geld und viel Erfolg lege ich nicht so viel wert. Ich brauche keine große Karriere. Eine harmonische Familie, Glück und Zufriedenheit kann ich mir davon nämlich auch nicht kaufen.

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